Rede “Beendigung der Mitgliedschaft der Stadt Paderborn beim Verein Deutsche Sprache e.V.” im Haupt- und Finanzausschuss

Werter Herr Bürgermeister Dreier, verehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich schätze Sie als Person sehr, Sie haben sich schon lange in den Dienst der Stadt Paderborn gestellt, das ist unumstritten. Aber ihre politische Handlungsweise ist, wie in diesem Fall der Übernahme des Gender-Neusprechs für die Verwaltung, für einen Konservativen schon lange in keiner Weise mehr nachvollziehbar und aus unserer Perspektive deshalb absolut zu kritisieren.

Sie, Herr Dreier, bekommen hier von der Linksfraktion eine Anfrage mit gesellschaftskritischen Zitaten ohne jeglichen Kontext aus der sozialistischen Tageszeitung der TAZ, die den Vorsitzenden des VDS, besser gesagt den renommierten Ökonomen Prof. Walter Krämer schmähen soll, der der sozialistischen Sprachzensur und Sprachsteuerung, gemeint ist mithin die Gendersprache, mit seinem „Verein für Deutsche Sprache e.V“, der sich vehement für den Erhalt der Deutschen Sprache einsetzt, im Weg steht, und sie knicken hier zusammen mit der Verwaltung sofort ein und wollen nun schnellstmöglich die passive Mitgliedschaft im VDS kündigen.

Das ist doch reinste opportunistische Willkür, sich von Regierungskritikern zu distanzieren und dem Narrativ eines Herrn Borgmeier zu folgen, diese Zitate seien Pegidasprech. Sie, Herr Dreier, mit samt der Verwaltung lassen sich hier so dermaßen ins Bockshorn jagen und übernehmen gleichgültig die Genderideologie der Linksfraktion. Was für ein blanker Opportunismus und Schlängelkurs Sie hier im wohl konservativsten Teils NRWs fahren, ist nur noch hahnebüchen. Wo unterscheiden Sie als Vertreter der CDU sich noch von den vereinigten Sozialisten von Linken, Grünen oder einer SPD?

Mit dem Begriff des Konservatismus und des Traditionalismus im Sinne des Erhalts der deutschen Kultur, und damit natürlich in erster Linie der Bewahrung der höchsten geistigen Güter wie die deutsche Sprache als perfektioniertes Mittel zum abstrakten Denken im Sinne der Sprachlogik und messerscharfem Abstrahieren im Problemlösungsprozess wollen Sie nun also brechen?

Haben Sie sich überhaupt schonmal die Leitlinien des Vereins Deutschen Sprache durchgelesen oder folgen sie einfach nur blind und ohne Werteorientierung den linken Sprachideologen? So wie Sie hier meine Haushaltsrede in Teilen zensiert haben mit ihrer Stechuhr, scheinen Ihnen die fundamentalen Grundelemente der Demokratie zu missfallen? Debattenkultur? Fehlanzeige! Opportunistisches Wegducken ist wohl eher die Devise?

Als Mitglied im „Verein Deutsche Sprache e.V.“ (VDS) habe ich Ihnen mal ein paar Leitlinien zusammengetragen, warum der VDS so wichtig für unsere deutsche Sprache ist.

Die deutsche Sprache und Kultur steht unter Globalisierungsdruck und verliert an Geltung. Ein Identitätsverlust sondergleichen, der hier vollzogen wird, das wird aus der Verlautbarungen der UNESCO von 2001 deutlich.

Der VDS kämpft für die Erhaltung der deutschen Sprache und für dessen sprachliche Vielfalt mit all seinen Registern und Dialekten.

Die Forderung an Politiker: Die Deutsche Sprache als Verfassungsrang, Förderung von Deutsch als Fremdsprache, um nur einige wenige Punkte zu nennen, sowie auf den Verzicht auf staatlichen Bevormundung seitens der Gendersprache.

Das grammatische Genus stammt ursprünglich aus dem altgriechischen genos, im Lateinischen genus (Familie, Geschlecht, Stamm). Jeder kennt es vom Dekliniationen-Lernen fürs Latinum in der Schule. Es ist ein Mittel, den großen Bestand der Substantive zu ordnen und innerhalb der Nominalgruppe Kongruenz herzustellen, also dafür zu sorgen, dass das Substantiv, der Artikel, das Adjektiv und das Pronomen zusammenpassen.

Als grammatischer Terminus bedeutet Genus: Art, Sorte. Aus dem althochdeutschen slatha (Generation, Ursprung) übersetzten deutsche Grammatiker Genus als: „grammatisches Geschlecht“, was die Verwechslung mit dem Sexus Tür und Tor öffnete. Neutra galten als (geschlechtslose Wörter).

Das generische Maskulinum bei maskulinen Personenbezeichnungen wie ‚Förster‘ oder ‚Pfarrer‘ sind eben nicht sexusmarkiert. Sie bezeichnen Personen unabhängig von Geschlecht. Ein Lehrerzimmer steht Lehrern wie Lehrerinnen offen, Führerschein berechtigt Frauen wie Männern zum Autofahrern, oder wollen sie den Führerschein nun in Führerinnenschein umbenennen?

Die Gegner des generischen Maskulinums verkennen allerdings zweierlei: die asexuelle Natur des generischen Maskulinums und den Umstand, dass die Sprache ein Gemeingut ist. Sie darf eben nicht durch staatliche Eingriffe belästigt werden auch nicht durch eine Stadtverwaltung.

Die amtliche Rechtschreibung lässt nur zu, dass innerhalb von Wörtern Klammern oder Schrägstriche verwendet werden dürfen (Förster(in). Das Binnen-I und der Genderstern verstoßen allerdings gegen diese Regel. [1]

Das generische Maskulinum ist ein Mechanismus, der für den Satzbau wichtig ist und diesen regelt, er ist das unmarkierte Genus für alle. Darin Frauenfeindlichkeit zu sehen, ist absolut abstrus und kann nur aus Köpfen verbohrter, – und in diesem Fall benutze ich gerne ihre verworrene pseudointekelltuelle Sprache – Ideolog*innen kommen, die mittels ihres moralisch, selbstgerechten Neusprechs ganze Stadtverwaltungen und Universitäten überziehen. Sprachtyrannei unter dem Deckmantel der basisdemokratischen Gleichberechtigung, die nichts zur Gleichberechtigung der Frauen beiträgt, sondern die deutsche Sprache im Sinne des Zeitgeistes maßlos entstellt und sogar das Erlernen der Deutschen Sprache für viele und Migranten noch erschwert.

Sie, Herr Dreier, kapseln sich sogar von den Forderungen einiger ihrer Parteikollegen ab, die im VDS Mitglied sind und sich vehement gegen die Gendersprache aussprechen. [2] Im wohl konservativsten Teils NRWs, in Ostwestfalen, geben Sie die Deutsche Sprache den politisch korrekten Sprachzensoren und sozialistischen Genderideologen, die mittels der Sprache als Werkzeug des Denkens ihre Ideologie des sozialistischen Geschlechterkampfes in die Seelen und Köpfe der Gesellschaft verankern wollen. All diese Bevormundung und Gleichmacherei wird zu einer weiteren Spaltung in der Gesellschaft beitragen, Herr Bürgermeister. Reden Sie eigentlich noch mit den normalen Bürgern auf der Straße?

Uns muss doch der VDS und seine Leitlinien für den Erhalt unserer deutschen Sprache am Herzen liegen, meine Damen und Herren, anstatt dem kulturnihilistischen Neusprech der Sozialisten über die Sprache Tür und Tor zu öffnen, deswegen bitte ich Sie alle, diesen Antrag abzulehnen.

Quellen:

1: https://www.zeit.de/zustimmung?url=https%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2Fgesellschaft%2Fzeitgeschehen%2F2021-03%2Fsprache-gender-stern-rechtschreibung-regelwerk-keine-aufnahme

2: https://vds-ev.de/deutsch-in-der-politik/cdu-fuer-klares-deutsch/cdu-fuer-klares-deutsch/